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Politische Geschichte

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Im jungen Königreich Bayern wurden aus den im Jahre 1808 gebildeten Steuergemeinden die politischen Gemeinden im heutigen Stil gebildet und mit kommunaler Autonomie ausgestattet. Damals wies der Ort Vierkirchen etwa 350 Einwohner auf. Im Jahre 1900 lebten 565 Menschen in Vierkirchen. Den größten Sprung in der Bevölkerungsvermehrung weist die relativ kurze Zeit von 1939 (643) bis 1945 (1041) auf. Die Wohnbevölkerung nahm besonders in den bahnnahen Orten Vierkirchen, Pasenbach, Esterhofen und Ramelsbach zu. Durch die Gebiets- und Gemeindereform weist heute die Gemeinde rund 4400 Einwohner auf.
Früher war der Ort Vierkirchen vornehmlich landwirtschaftlich orientiert. Treffpunkt der Bauern und Bürger war von altersher die damalige Dorfschmiede in der Mitte der Ortschaft.
Ab 1960 setzte ein unaufhaltsamer Trend zur Großgemeinde ein. Siedlungsgebiete entstanden, der ländliche Charakter wurde nach und nach zurückgedrängt. Der Ausbau der Infrastruktur war eine wesentliche Aufgabe in den letzten 15 Jahren. Es folgte der Bau der Kanalisation mit Kläranlagen, die zentrale Wasserversorgung, Ausbau der Ortsverbindungsstraßen und sonstigen Gemeindestraßen. Von großer Bedeutung und eine erhebliche Wertsteigerung ist der S-Bahn-Anschluss. Durch diese günstige Verkehrslage steigt die Nachfrage nach Baugrundstücken und Wohnungen stets. Die Lebensqualität wurde mit der Schaffung diverser Infrastruktureinrichtungen enorm verbessert. Mit einer vorausschauenden, weitsichtigen Politik hat Vierkirchen bereits frühzeitig die Wichtigkeit einer örtlichen Versorgung der Gemeindebewohner mit Gütern und Diensten erkannt. Die Gemeinde wird unterstützend mithelfen, das Innovationspotential der kleineren und mittleren Betriebe zu aktivieren, um eine ausgewogene Bevölkerungs- und attraktive Arbeitsplatzstruktur zu erhalten.
1972 traten erstmals politische Gruppierungen bei der Gemeinderatswahl auf.
In den 70er Jahren wurde dann die Gebietsreform aktuell. Die Zeichen der Zeit wurden richtig gedeutet und so erfolgte der Zusammenschluss mit den Nachbargemeinden Pasenbach (1971) und Giebing (1972). Biberbach kam zu Röhrmoos, die damaligen Ortsteile Milbertshofen und Wiedenhöfe zu Vierkirchen. Damit erreichte Vierkirchen den Charakter eines echten Mittelpunktes. Im Jahre 1978 wurde im Zuge der Gemeindegebietsreform die Verwaltungsgemeinschaft mit Weichs begründet. Beste Harmonie zwischen den beiden Gemeinden ermöglichte eine fruchtbare und faire Zusammenarbeit. Aber auf Grund einer Korrektur zur Gebietsreform wurde zu Beginn 1980 die Trennung im beiderseitigen Einvernehmen vollzogen.

Folgende infrastrukturelle Einrichtungen wurden in den nächsten Jahren realisiert:
1975
Aufstellung Flächennutzungsplan
1976
Einleitung und Beginn der Flurbereinigung und Kindergartenbau im Pfarrhofgelände
1979
1200-Jahr-Feier, Ehrenbürgerschaft für Pfarrer Wolfgang Lanzinger
1980
Einweihung der neuen Schule
1985
Umbau Kläranlage Vierkirchen
1986
Erweiterung Kindergarten, Einweihung Sportheim
1988
Bauhof, Feuerwehrhaus Pasenbach und Gerätehaus Giebing errichtet
1989
Erweiterung Schule
1991
Vereinshallenbau, Rathausneubau
1992
Neubau Feuerwehrhaus Vierkirchen, Fertigstellung von fünf Sozialwohnungen
1993 Umgehungsstraße Pasenbach, Einweihung Kindergarten
Villa Kunterbunt
1995 Friedhofserweiterung Vierkirchen
1996
Umgehungsstraße Vierkirchen, Beginn Erschließung Einheimischen-Modell,

2. Erweiterung Gewerbegebiet, Spatenstich für die Zentralkläranlage, Einrichtung Mittagsbetreuung
1997 Inbetriebnahme der Zentralkläranlage Jedenhofen, Bau einer Minigolfanlage, Verabschiedung neuer Flächennutzungsplan mit integriertem Landschaftsplan, Übernahme von 45 ha Biotopflächen, Grundsatzbeschluss zur Umsetzung der Agenda 21
1999
Umbenennung S-Bahnhaltepunkt in Vierkirchen-Esterhofen, Beschluss zur Partnerschaft mit Genazzano
2000
Baubeginn ICE-Trasse, Erdgasanschluss
2001
Einstellung Jugendpflegerin, Eröffnung Jugendheim
2002
Fertigstellung Fußgängertunnel Esterhofen, Beginn Umgestaltung P&R Plätze Esterhofen, Baubeginn Naturbad, Erteilung Planungsauftrag Dreifachsporthalle, Errichtung Gehweg Giebing
2003
Baubeginn Dreifachsporthalle
2004
Eröffnung Naturbad, Fertigstellung Dreifachsporthalle
2005
Partnerprojekt Bundesgartenschau in München (BUGA 2005), Vierkirchen gehört zu einer Reihe von Orten im Münchner Umland, die mit Außenprojekten bei der BUGA 2005 vertreten sind. Die Besucher können dabei auf mehreren Wanderwegen alte Hohlwege, das zukünftige Naturerlebnisbad, einen Rodel- und Aussichtsberg sowie einen Baum- und Gehölzweg entdecken.

Heute umfasst die Gemeinde folgende Ortschaften:
Jedenhofen, Pasenbach, Esterhofen, Vierkirchen, Ramelsbach, Rettenbach, Giebing, Milbertshofen, Gramling, Ober-, Mitter- und Unterwiedenhof.

Ein reges Vereinsleben mit über 30 Vereinen zeugt von einem großen Zusammengehörigkeitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger. Für ein umfassendes Freizeit- und Erholungsangebot ist gesorgt. Eine maßvolle Entwicklung unserer Gemeinde, bei der die Identität erhalten bleibt, mit der die Infrastruktureinrichtungen Schritt halten sowie ein unternehmer- und geschäftsfreundliches Klima und eine ökologisch verantwortungsbewusste Handlungsweise sind die Prämissen für unsere bürgernahe Kommunalpolitik.
Über die ersten Bürgermeister der Gemeinde Vierkirchen ist nichts mehr aktenkundig. Mit der Einführung des Standesamtsregisters sind auch die jeweiligen Gemeindevertreter ab 1876 überliefert: 1876 Landwirt Kugler (Zinsbauer) und Josef Sedlmayr, 1879 Josef Ettl (Neumair, er führte die 1100-Jahr-Feier durch), 1882 Hans Mayr (Reischlbauer), 1893 Thomas Bertold (Reindl), 1906 Benno Sigl (Deiglbauer), 1922 Michael Müller (Michemandl), 1933 Josef Bestle (Schmied und erstmals ein Nichtlandwirt), 1940 Hans Ziegler (Zinsbauer), 1945 wieder Michael Müller, 1946 Landwirt Johann Eichinger, 1952 wieder Hans Ziegler, 1960 Hans Bestle (Schmiedemeister), 1978 Landwirt Canisius Großmann-Neuhäusler. Seit 1996 Heinz Eichinger (vormals Polizeibeamter, seit 2002 erstmals hauptamtlicher Bürgermeister).

Esterhofen
Esterhofen dürfte viel jünger sein als die übrigen Ortsteile, Weiler und Einödhöfe und taucht erst 1381 aus seiner unbekannten Geschichte auf. Der Ortsname deutet enge Beziehungen zu Pasenbach an, bedeutet er doch Hof oder Höfe östlich des Mutterdorfes Pasenbach. Diese enge Beziehung zeigt auch noch die Erstnennungsurkunde vom September 1381, nach der Hans der Biburger, der gleichzeitig in Rettenbach begütert war, dem Kloster Indersdorf den Groß- und Kleinzehet ze Bäzenbach und ze Österhofen um 12 Pfund Regensburger Pfennige verkaufte. Im Spätmittelalter gelangte dann fast ganz Esterhofen unter die Grundherrschaft Münchner Bürger. Bis über die Zeit des Bahnbaus hinaus blieb Esterhofen ein Weiler mit fünf Anwesen. 1823 hatte er 29 Einwohner, 1879 waren es 35 Einwohner.
Die Bahn wollte niemand haben, weder Weichs noch Vierkirchen. So legte man den Verlauf der Schienen zwischen die Ortschaften, Esterhofen kam unfreiwillig zum Zuge! 1868 wurden hierfür 30 Tagwerk landwirtschaftliche Nutzflächen der Reichsbahn übereignet. Die Bahnhofsrestauration entstand mit dem Bau der Haltestelle und wurde 1910 von der Familie Großmann angekauft. Als Siedlungsgebiet wurde Esterhofen nach dem Bau der S-Bahn 1972 interessant. Für den Ortsteil und die gesamte Gemeinde war die Errichtung der Unterführung im Jahre 1973 von großer Bedeutung.
Inzwischen erfolgte auf Initiative des Bürgermeisters die Umbenennung des S-Bahn-Haltepunktes in Vierkirchen-Esterhofen. Derzeit läuft der ICE-Trassenausbau auf Hochtouren. Dabei wurde seitens der Gemeinde ein Fußgängertunnel errichtet, der bereits benutzbar ist.

Jedenhofen
Jedenhofen (wie Ramelsbach und drei Anwesen in Rettenbach) gehörten bis 1802 zu der Landzunge, die das Landgericht Kranzberg über die Glonn hinweg in das Landgericht Dachau streckte. Die Anfänge von Jedenhofen dürften in das 9. Jahrhundert fallen. Erstmals wird der Ort in einer Urkunde zwischen 948 und 957 genannt. Um 1500 sind bereits neun Anwesen vorhanden. Interessant ist die Entwicklung des Fischeranwesens. Um 1500 wird es als Lehen aufgeführt, wie auch 1760. 1812 aber gehören zu dem Hof, den Nikolaus Berthold bewirtschaftete, 55 Tagwerk. Das Jedenhofener Kirchlein wurde erst kürzlich restauriert.

Ramelsbach
Die Erstnennung von Ramelsbach fällt ebenfalls bereits ins 9. Jahrhundert. Das damals geschriebene Hrammespah und auch Rammespah im 10. Jahrhundert haben
die Bedeutung von Rabenbach. Bis 1802 gehörte Ramelsbach zum Landgericht Kranzberg. Die Freisinger Domkirche, der Bischof Arnold sowie verschiedene Grundherrn (die Kammerberger und Münchner Bürger) und das Kloster Indersdorf waren Besitzer von Ramelsbach.
1665 kaufte die Hofmark Hohenkammer vom Kloster einen Hof, den Lamplhof, so dass nurmehr der Königshof (Sigl) im Eigentum Indersdorfs blieb. 1823 lebten hier zwei bäuerliche Familien mit 21 Menschen. Die schönsten Felder wurden durch Pfarrer
Dr. Zailer aufgekauft und später den Pfarrpfründen einverleibt. Ramelsbach hat durch das Einheimischenmodell einen enormen Zuwachs zu verzeichnen. Bis 1971 wurde Ramelsbach mit zwei m geschrieben. Warum danach nur noch mit einem m bleibt ein Rätsel. Es ist zu vermuten, dass der ehemalige Gemeindesekretär Xaver Endres die Änderung einfach aus Bequemlichkeitsgründen selbstständig vornahm. Seine unbefriedigende Auskunft diesbezüglich, sowie sein verschmitztes Lächeln lassen dies vermuten.

Milbertshofen
Der Weiler wird erstmals 783 als Muniperhteshofun und um 1200 Milbretshouen bei den Höfen des Munipercht genannt. In alter Zeit zinsten die großen Höfe an das Heilig-Geist-Spital München (im Tal) und das Domcapitel Freising.

Die Wiedenhöfe
Während der Oberwiedenhof seine urkundliche Erstnennung schon im Jahre 972 als Arnolteshovun (Hof des Arnold) erfährt, werden Mitterwiedenhof und der Unterwiedenhof 1090 als Winnenhoven erstmals erwähnt. Ob die Deutung Höfe auf der Weide richtig ist, bleibt offen. Alle drei Höfe dürften im 10. Jahrhundert errichtet und gerodet worden sein. Als Besitzer treten niedere Adelige, das Kloster Indersdorf sowie Kammerberger und Münchner Bürger auf.

Die frühere Gemeinde Pasenbach
Auch Pasenbach dürfte eine Rodung des 8. Jahrhunderts sein, eine Siedlung am Bach eines Paso. Aus der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 819 ist nachzulesen, dass der Kleriker Tozi seinen Besitz in Pasinpah der Freisinger Domkirche geschenkt hat. Im 12. Jahrhundert kam ein Teil Pasenbachs an das Kloster Indersdorf sowie an die Herren von Daxberg, u.a. tritt ein Ulricus de Dachsperch auf. Anfang des 15. Jahrhunderts starb das Geschlecht der Dachsperger aus.


Schloss und Hofmark Pasenbach
Das Erbe tritt ein Münchner Bürgergeschlecht an. 1432 ist ein Gericht zu Pasenbach erwähnt, 1440 wird Pasenbach als Hofmark bezeichnet. Die Hofmark kam am Anfang des 16. Jahrhunderts in den Besitz des Münchner Patriziergeschlechts der Barth, welche bis Anfang des 19. Jahrhunderts ansässig blieben.
Der letzte Barth hatte eine Tochter, welche um 1810 den bayerischen Leutnant Rudolf von Rechthaler heiratete.
Danach erwarb Graf Spreti von Unterweilbach den Besitz in Pasenbach, der wiederum 1843 an den Bauern Franz Grahamer verkaufte. Nun wurde das Schloss abgebrochen, die restlichen Gebäude landwirtschaftlich genutzt. Damit war das Ende der Hofmark Pasenbach besiegelt.
Als in Bayern zu Beginn des 19. Jahrhunderts politische Gemeinden gebildet wurden, wurde auch Pasenbach eine selbstständige Gemeinde. 1971 wurde die Selbstständigkeit freiwillig aufgegeben und es erfolgte der Anschluss an Vierkirchen. Nachdem vier Jahre später die Kanalisation fertiggestellt war, setzte in der vormals landwirtschaftlich strukturierten Ortschaft eine rege Bautätigkeit ein. Bis zum heutigen Tag wahren die Pasenbacher eine gewisse eigene Tradition, welche für ein abwechslungsreiches und interessantes Dorfleben sorgt. Seit 1994 findet wieder der traditionelle Leonhardiritt mit Pferdesegnung statt. Seit 2011 stehen die Motivwagen des Leonhardirittes in einer neu erbauten Halle, in der auch ein Schaumuseum zur Leonhardverehrung eingerichtet ist.

Rettenbach
Rettenbach wird erstmals im August 852 genannt, als der Freisinger Bischof Erchanbert dem Edlen Hitto in Assenhausen 126 Joch Acker, Wiesen und Wald vertauschte gegen einen Teil des Erbes dieses Edlen im gleichen Ausmaß in Rotinpah. Rettenbach, das aus Rotinpah, Rotbach über Röttenbach zur heutigen Schreibform fand, bedeutet Rodung am Bach. Verschiedene Adelige und Edle waren danach Besitzer von Rettenbach und tätigten u.a. Tauschgeschäfte mit dem Freisinger Bischof. Anfang des 13. Jahrhunderts übereignete der wittelsbachische Ministeriale Heinrich von Chramsberche (Kranzberg) Grundbesitz dem Kloster Weihenstephan.
Um 1500 waren 13 Anwesen in Rettenbach zu verzeichnen. Rettenbach konnte bis heute weitestgehend seinen bäuerlichen Charakter erhalten. Südlich der Dorfstraße wird derzeit ein Baugebiet realisiert.

Die frühere Gemeinde Giebing mit Gramling
Giebing ist wie Gramling (früher Gramilingen) vermutlich etwa im 9. oder 10. Jahrhundert entstanden, obwohl eine urkundliche Nennung aus dem Jahre 1123 stammt. Im 12. Jahrhundert lässt sich in Giebing ein Adelsgeschlecht nachweisen, das im Dienst der Dachauer Grafen und später der Wittelsbacher Herzöge stand. Die frühesten nachweisbaren Giebinger Grundherren waren die Kammerberger.

Hofmark Giebing
Diverse Besitzerwechsel der Hofmark sind bis Anfang des 19. Jahrhunderts zu verzeichnen. Das Giebinger Schloss wurde bereits 1804 wegen Baufälligkeit abgebrochen. 1833 kaufte Freiherr von Vequel die Gräflich Haßlangsche Hofmark. Die Freiherren von Vequel hatten kurz vorher bereits die Hofmark Kammerberg erworben und blieben bis heute die Schlossherren von Kammerberg. Seine Selbstständigkeit verlor Giebing 1972 durch die Eingliederung nach Vierkirchen.

Die gesamten geschichtlichen Darstellungen - Verfasser Heinz Eichinger - wurden zum Teil der Festschrift 1200 Jahre Vierkirchen 779 - 1979, herausgegeben von Dr. Gerhard Hanke, entnommen.